1937er Ford Pickup „FoMoCo Freighter“

1937er Ford Pickup

Like a Midas Touch

Ray Nish’s 1937er FoMoCo Freighter

Manchmal betrachtet man ein Fahrzeug und es stellt einem im ersten Augenblick echte Rätsel auf. Der 1937er Ford Pickup von Ray Nish ist auch so ein Fall. 1937er? Aber das ist doch ein 1940er Modell?! Erst bei genauerem Hinsehen, sieht man plötzlich, dass es sich hierbei um einen wirklich professionellen Umbau handelt. Quasi die Königsdisziplin des Customizing. Etwas so zu verändern, dass es von jedem als „das ist doch so Serie“ wahrgenommen wird.

1937er Ford Pickup
Ray Nish, Service Manager bei einem Lincoln-Mercury Händler in Oakland, CA, konnte auf ein großes Ersatzteil-Lager zurückgreifen.
1937 Ford Pickup
Der Innenraum ist im Tuck‘n‘Roll in den Farben der Aussen-Lackierung bezogen.

Genau diesen Ritterschlag hat sich Ray Nish, Service Manager bei einem Lincoln-Mercury Händler in Oakland, CA, Anfang der 1960er Jahre verdient, als er diesen Hot Rod Pickup nach beinahe 13 Jahren Aufbauzeit vorstellte und der in vielen Magazinen abgebildet war. Unter anderem zierte er sogar das Titelbild der „Rod & Custom“ im August 1962. Mit der Basis eines 1937er Transporters aus dem Hause Ford, erschuf er einen sehr radikalen Vertreter der Custom-Szene. Ein 1937er Ford, den die meisten als 1940er Modell so durchwinken würden. Auf den zweiten Blick sieht man das Häuschen und hier offenbart sich, dass die flache, langgestreckte Silhouette durch die deutlich kleinere Fahrerkabine des 1937er Fahrzeugs entstand, in Verbindung mit der verwendeten 1940er Front und Kotflügel und einem 2″-Top Chop. Dabei ruht der Rod nicht auf einem Truck-Rahmen, sondern auf einem verkürzten Chassis eines 1956er Mercury mitsamt Radaufhängung. Für den Antrieb sorgt der 368 ci-V8 aus einem 1957er Mercury, der seine Leistung an eine Hinterachse eines 1957er Lincoln weitergibt. Die Bremsen wiederum spendierte ein 1961er Lincoln. Man sieht bereits an dieser Stelle, dass hier ein „Who is Who“ des Ford-Konzerns gekonnt kombiniert wurde, was dann auch an der Karosserie weiter geht. Hier haben nämlich die Rückleuchten eines 1961er Mercury Einzug gehalten, während im Innenraum Komponenten eines Ford Thunderbirds zu finden sind.

Ein 1957er Mercury Turnpike Cruiser spendete seinen Motor.

Bei der Bequemlichkeit während der Fahrt jedoch setzte man auf deutsche Qualitäten. So spendierte ein 1953er Mercedes 220 Cabriolet seine Sitze. Gehüllt ist alles in einem Mix aus weiß und Gold, was dem Wagen nicht nur außerordentlich gut steht, sondern im auch einen Hauch von „Midas Touch“ verleiht. Eigentlich könnte hier nun die Geschichte enden, oder aber wir könnten uns noch weiter in die unglaubliche Vielzahl an Details verlieren. Gäbe es da nicht noch eine andere, geradezu unglaubliche Geschichte:

Nachdem Ray Nish dieses fabelhafte Custom Car fertig gestellt hat, tourte er zusammen mit seiner Frau auf eigener Achse durch Süd Kalifornien, um die Shows zu besuchen, wo der „FoMoCo Freighter“ nicht nur rund 5.000 Meilen zurücklegte, sondern auch viele Pokale gewann. Danach jedoch verschwand der Wagen in einer Privatsammlung eines Auto-Enthusiasten. So zogen nicht nur viele Jahre ins Land, in denen das Custom in Vergessenheit geriet, sondern durch eine Reihe von unglaublichen Verkettungen von günstigen U

Der Wahlhebel und die Cruise-O-Matic stammen von einem´1957er Ford Thunderbird.
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mständen wurde der Wagen exakt so erhalten, wie er gebaut wurde. 44 Jahre, in denen der Freighter als verschollen galt, hat niemand irgendwelche Veränderungen vorgenommen und gleichzeitig wurde der Wagen exzellent und fachmännisch konserviert, bis Bruce Meyer, ein legendärer Hot Rod Sammler, ihn aufspürte und kaufte. Es war 2006, als das Fahrzeug wieder der Öffentlichkeit vorgeführt wurde – in einem Zustand, als hätte es einen Zeitsprung durchgeführt. Mit nunmehr immer noch gerade mal knapp über 6.000 Meilen auf dem Tacho ist dieser Pickup einer der besterhaltenen, unrestaurierten Zeitzeugen der Customizing-Ära der wilden 1960er Jahre.

Zwischenzeitlich ist der FoMoCo Freighter wieder in einer Sammlung in Texas integriert worden und fand nun seinen weg in die Auktion bei Mecum. Hier hat man nun nicht nur die Möglichkeit, einen exzellent aufgebauten Custom zu erwerben, sondern eine der interessantesten Geschichten des amerikanischen Customizing gleich mit.

Text: Ralf Werth
Fotos: Mecum Auctions

1937er Ford Pickup „FoMoCo Freighter“

Motor: OHV-V8, 368 ci, 6.030 ccm, polierte und lackierte Ventildeckel und Chrom-Luftfilter, Eigenbau-Auspuffanlage
Kraftübertragung: Dreistufen-Automatik „Cruise-O-Matic“ (1957er Ford Thunderbird), Heckantrieb, Achsübersetzung 3,31:1
Vorderachse: Einzelradaufhängung, Federbeine (1961er Mercury), Trommelbremsen (1961er Lincoln)
Hinterachse: Starrachse (1961er Lincoln), Blattfedern, & Öldruckdämpfer (1961 Mercury), Trommelbremsen (1961er Lincoln)
Räder: 14″ Chrom-Stahlfelgen mit Baby-Moon-Radkappen mit Coker Tires in  7.50-14
Sonstiges: Verkürzter 1956er Mercury Rahmen,  1940er Front und Kotflügel, 2″-Top Chop, Custom-Interieur, 1953er Mercedes 220 Cabriolet Sitze, 1961 Thunderbird Cockpit, 1961er Mercury Comet Lenkrad, 1957er Ford Thunderbird Schalthebel, handgefertigter Stoßfänger hinten, 1961er Mercury Comet Rückleuchten, Carson-Style Ladeflächen-Abdeckung, Farbe: Byzantine Gold/Pearl

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