1962er Ford Thunderbird Hardtop Coupe

Ford Thunderbird

Bullet on wheels

Wie ein Projektil: T-Bird Coupe als Low mileage survivor

Manfred „Manne“ Barleon hat eine Schwäche für amerikanische Full-Size-Schlitten. Nach dem Spontankauf eines 1958er Buick Station besaß er schon ein 1959er Edsel Hardtop Coupe. Nun kam der 52-jährige Versicherungskaufmann an einen Thunderbird der dritten Generation – genau das Richtige für souveränes und entspanntes Cruisen; nicht nur dank der dezent blubbernden 6,4 Liter-Maschine.

1962er Ford Thunderbird
„Bullet Bird“: Wie ein Geschoss-Projektil streckt sich die Linie des silbernen Hardtop Coupes lang.

Die 1961 eingeführte, dritte Thunderbird-Generation zeigte ein radikal neues Design – gänzlich anders als die übrigen 1961er Ford. Wie ein Projektil auf Rädern, insbesondere in der Seitenansicht, standen die „Bullet Birds“ da und eine durchgehende Chromleiste erstreckte sich von den Scheinwerfern bis in die Heckflossenspitze. Ein cooles Detail sind die Türgriffe, die aus eben jener Zierleiste bestehen, während eine Aussparung in der Tür die Griffmulde bildet (Flow-line handles). Neben Doppelscheinwerfern (was sonst?) und einer massiven Stoßstange gab es statt der bisherigen Panoramascheibe eine normale Frontscheibe, und große Einzel-Rückleuchten im Jet-Stil von Düsenflugzeugen.

Thunderbird
Sportliches Extra in den Radhäusern: Die 14-zölligen Chromspeichenräder waren eine Werks-Option.

Entsprechend gering fielen die Modifizierungen fürs 1962er Modelljahr aus, wie es hier zu sehen ist. Ein neuer Grill mit jeder Menge kleiner Aluminium-Plättchen, eine geglättete Motorhaube ohne die beiden Blechfalzen, sowie drei hintereinander angeordnete Dekorelemente in den Seitenteilen dienten zur Unterscheidung – und überarbeitete Rückleuchten.

Wichtiger waren zwei neue Karosserievarianten, die in diesem Jahr erstmals erschienen; das Landau Coupe und der Sports Roadster. Manfred Barleon ist mit seinem klassischen Hardtop Coupe aber sehr zufrieden, was nicht zuletzt an der äußerst niedrigen Laufleistung von knapp 25.000 Meilen liegt. „Der Erstbesitzer ist damit in den Staaten nur sonntags zur Kirche gefahren“, erklärt „Manne“grinsend. Nach dem Tod des Erstbesitzers verkaufte die Witwe den Wagen an einen Freund ihres Mannes. „Das war erst 2005; und der neue Besitzer war schon um die achtzig Jahre alt“, erfuhr der Röttinger später.

62er Ford Thunderbird
Designer-Stück: Die Griffe bestehen aus einem Stück Zierleiste und nebst passender Vertiefung im Türblech. Yes, it’s a 1962 car! Die drei hintereinander platzierten Dekorelemente gabs nur in diesem Jahr.

Schließlich konnte er – über einen Freund in den USA – das zuletzt in Huntington, West Virginia zugelassene Auto erwerben. „Dem Verkäufer war wichtig, dass der Wagen in gute Hände kommt – wir blieben auch nach dem Kauf in Kontakt“. Als der silbern und leicht blau schimmernde Ford in Deutschland angekommen war, ließ Manfred nur das Getriebe überholen und erledigte die TÜV-Abnahme – die Drei-Stufen-Automatik besitzt übrigens zwei Fahrbereiche: In „D1“, für schnelle Starts, werden alle drei Gänge durchgeschaltet, in „D2“ wird gleich im zweiten Gang angefahren, um Sprit zu sparen oder für winterliche Bedingungen. Kilometerstand beim Kauf? Erst 22.000 Meilen.

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Sowohl das Vinyl-Interieur in „Medium Blue“ als auch die Chromteile und der Lack des gut 1,8 Tonnen schweren T-Bird bestätigen die geringe Laufleistung und warten mit tollem Zustand auf. Das um 25 Zentimeter zur Seite klappende Lenkrad war beim 1962er Jahrgang serienmäßig; andere Extras wie Klimaanlage, elektrische Fensterheber und elektrische Sitzverstellung kreuzte der Erstbesitzer in der Aufpreisliste an. Auch die Fender Skirts kosteten extra und sie verstecken ein wenig die schicken 14-Zoll-Chrom-Speichenräder; ebenfalls eine Ford-Option und damals für 373,- US-Dollar zu bekommen. Diese Chrome Wire Wheels verbessern übrigens die Bremsenkühlung – wie auch beim Thunderbird Sports Roadster.

1962er Ford
Feines Innenleben: Nur zwei Vorbesitzer und sorgfältige Pflege erklären den guten Originalzustand. Die Inennausstattung in „Medium Blue“ ergänzt den Auftritt des Personal Luxury Coupes bestens.

Mit satten 300 PS steuert der 390 ci-V8 unter der Haube eine Menge zu einer besonders lässig-unaufgeregten Art der Fortbewegung bei. Und wie textete Ford zur Einführung der neuen Modelle? Einen zu fahren sei wie ein Rendezvous mit einer neuen Welt, hieß es, und der neue Wagen sei einzigartig unter den eleganten Automobilen – okay, vielleicht eine Spur zu selbstbewusst formuliert, aber so falsch war das nicht …

Text & Fotos: Gerald Sandrieser

Thunderbird Motor
Originalmaschine: 300 PS leistender „Interceptor“-6,4-Liter-V8 mit Holley-Vierfachvergaser.

1962er Ford Thunderbird Hardtop Coupe

Motor: OHV-V8, 390 ci, 6.391 ccm, 300 PS bei 4.600 U/min, Bohrung x Hub im mm: 102,9 x 96, Verdichtung 9,6:1, Holley-Vierfachvergaser, Doppelauspuff
Kraftübertragung: Dreistufen-Automatikgetriebe „Cruise-O-Matic, Hinterradantrieb
Vorderachse: Einzelradaufhängung an doppelten Querlenkern, Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer, Stabilisator
Hinterachse: Starrachse, Längsblattfedern, Teleskopstoßdämpfer
Bremsen: Trommelbremsen vorn/hinten
Räder: Chromspeichenräder (Ford-Extra) in 14″
Reifen: Coker „Classic“ in G 78-14
Produzierte Stückzahl (1962): 68.127 Hardtop Coupe und Landau HT Coupe
Preis (1962): 4.321,- Dollar

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