1968er AMC AMX

1968er AMC AMX
Playmate des Jahres 1968
Victoria vor dem Gebäude des ehemaligen „Playboy“ -Clubs, wo Ihr AMC Vice President of Marketing, R.W. “Bill“ McNealy 1968 die Schlüssel zu ihrem AMX überreichte.

Comeback in Pink

42 Jahre blieb dieser AMX bei seiner Erstbesitzerin Victoria Vetri – dem Playmate des Jahres 1968!

Bei dieser Story solltet Ihr Euch anschnallen, denn hier steckt alles drin, was eine saftige Geschichte ausmacht: ein Model, das in den Swinging Sixties zum Playmate des Jahres gewählt wurde, ein versuchter Totschlag mit der Knarre von Roman Polanski und nicht zuletzt ein einzigartiges AMC Coupe, das jahrzehntelang als Daily Driver verschlissen wurde. Letzteres glänzt heute wieder im Originalzustand, hatte einen Auftritte in Jay Leno’s Garage und ist zumindest mittelbar wieder mit seiner ursprünglichen Eigentümerin vereint.

AMC AMX
Chelsea Fletcher, die Tochter von Mark Fletcher, Richs Co-Autor bei der Erstellung des Buchs „Hurst Equipped“, sprang nach der Restaurierung des AMX als Double für Victoria ein.

Als der Playboy 1964 zum ersten Mal ein Auto an das „Playmate des Jahres“ verschenkte, war das Magazin seit über 10 Jahren im Geschäft und bei einer verkauften Auflage von 2,7 Millionen Heften weiterhin stetig auf Wachstumskurs. Weil Papier bekanntlich geduldig ist, lockte die bunte Herrenillustrierte mit dem putzigen Häschenlogo nicht nur mit gedruckten Schönheiten, sondern hatte bis Ende 1965 auch eine Kette von mehr als einem Dutzend Nachtklubs aufgezogen.

In gehobenem Ambiente wurde den Mitgliedern beste Unterhaltung von hochkarätigen Entertainern und Komikern geboten, außerdem gab es in jedem Playboy Club eine Bar und einen Dining Room. Hauptattraktion war aber, dass der Service von attraktiven Kellnerinnen in knappen Häschen-Kostümen abgewickelt wurde. Die Mitglieder erhielten für ihren Jahresbeitrag von anfangs 25 Dollar einen Schlüssel, der ihnen den Zutritt zu den Clubs eröffnete, wenn sie diesen dem „Door Bunny“ vorzeigten. 1965 bestand der Club aus mehr als 300.000 zahlenden Mitgliedern, allerdings schätzt man, dass nur jeder fünfte Inhaber von seinem prestigeträchtigen Playboy Club Key jemals Gebrauch machte.

Das erste Playmate Car war ein pinkfarbener 1964 1/2er Mustang, womit es Ford prächtig gelang den Medienrummel um seinen brandneuen sportlichen Zweitürer auf Trab zu halten. Daraus erwuchs die Tradition den „Playmate des Jahres“-Titel mit einem sportlichen Auto in der typischen pinken Lackierung zu versüßen.

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AMC AMX
Weil keine originalen Blechteile mehr zu finden waren, musste die vorhandene Karosseriesubstanz wiederhergestellt werden, was bestens gelang!

Wie alle anderen US-Hersteller wurde auch AMC vom Erfolg des Mustang kalt erwischt. In Kenosha versuchte man zunächst mit dem Marlin in das sportlich-kompakte Segment einzusteigen, allerdings mit wenig Erfolg. Denn indem man das Modell auf Basis einer Intermediate-Plattform entwarf, konstruierte man an den Wünschen der Zielgruppe vorbei und gab dem Coupe zudem unglückliche Proportionen mit auf den Weg.

Mit dem Javelin hatte AMC dann ab 1968 einen echten Pony Car Konkurrenten am Start, der sich auch ziemlich gut verkaufte. Ein toller Erfolg, besonders wenn man im Hinterkopf behält, dass der Konzern im Jahr zuvor knapp an der Pleite vorbeigerutscht und das Entwicklungsbudget entsprechend mager war. Die wirkliche Überraschung war jedoch der im Februar 1968 vorgestellte AMX, das erste zweisitzige Auto mit Stahlkarosserie aus US-Produktion seit dem 1957er T-Bird. Der AMX war eine verkürzte Version des Javelin und wurde wie dieser von AMCs legendärem Design Vice President Dick Teague entworfen.

Ein neue AMX als Prämie für das nächste Playmate des Jahres

Bei der Markteinführung des AMX entstand die Geschäftsbeziehung zum Playboy: AMC lud seine Händler zur Präsentation des Sportwagens in neun über die gesamten USA verteilte „Playboy“ -Clubs ein. Im Anschluss stiftete AMC dem Playboy einen neuen AMX als Prämie für das nächste Playmate des Jahres.

Nachdem die Leser abgestimmt hatten, wurde das Playmate des Monats September 1967, Victoria Vetri, die den Küntlernamen Angela Dorian führte, zum Playmate des Jahres 1968 gekürt. Bei einer der erwähnten Händler-Versammlungen übergab AMC Marketing Vice President R.W. “Bill“ McNealy die Schlüssel eines speziell angefertigten AMX an Victoria. Dieses für Victoria persönlich produzierte Fahrzeug war ab Werk pink lackiert und mit einem 290-ci-V8, Borg-Warner-Dreigang-Automatik, Bremskraftverstärker, Servolenkung, „Magnum 500“-Rädern, höhenverstellbarer Lenksäule, einem 8-Track Player im Armaturenbrett und einer Klimaanlage ausgerüstet.

1968er AMC AMX
Auf diesem Bild aus der damaligen „Playboy“ -Story ist nicht Victorias persönlicher AMX zu sehen, sondern ein Promo Car.

Auf den Bildern, die im damals im Playboy erschienen, ist übrigens ein anderes Auto abgebildet: weil das eigentlich für Victoria vorgesehene Fahrzeug noch nicht fertig war, ließ ein AMC-Händler in Südkalifornien kurzerhand einen weiteren AMX in Pink umlackieren, unter anderem war dieser Wagen mit den Standard-Radkappen anstatt mit Magnum-500-Rädern ausgestattet.

Nach ihrem Einsatz als Playmate war Victoria als Schauspielerin in Hollywood tätig, zum Beispiel hatte sie eine Rolle im Horrorfilm „Rosemarys Baby“, im Abenteuerfilm „When Dinosaurs Ruled the Earth“ spielte sie 1970 sogar die Hauptrolle. Mitte der siebziger Jahre zog Victoria sich zurück, blieb aber in Südkalifornien wohnen. Weil sie Angst vor Stalkern hatte, ließ sie den auffällig rosafarbenen AMC zunächst braun, dann silber und schließlich schwarz lackieren. Nach 42 Jahren entschloss sie sich schließlich den Wagen zu verkaufen, der inzwischen ziemlich mitgenommen aussah.

Zunächst hatte eine Tankstelle den Wagen in Kommission genommen, letztlich landete er auf dem Platz eines kleinen Gebrauchtwagenhändlers, nachdem ein Zwischenverkäufer ein paar Dollar daran verdient hatte. Dort entdeckte Mark Melvin, der selber seit 38 Jahren einen AMX besitzt, den er sich zum Highschool Abschluss gegönnt hatte, den etwas verloren wirkenden AMC. Ein Blick in die Unterlagen bestätigte die Herkunft des Wagens: auf der Zulassung war der Künstlername Andrea Dorian eingetragen. Nach kurzer Verhandlung und Leistung einer Anzahlung holte Mark das Restaurierungsobjekt am nächsten Tag auf dem Anhänger nach Hause.

AMC
So sah der AMC aus, als Mark ihn entdeckte, die Zulassungsunterlagen bestätigten, dass es sich um den Playmate AMX handelte.

Arg wechselhaft verlief zu dieser Zeit auch das Leben von Victoria. Wenige Monate, nachdem sie den AMC verkauft hatte, schoss sie während eines Streits in ihrem Apartment in Hollywood auf ihrem vierten Ehemann Bruce Rathgeb. In der anschließenden Verhandlung wegen des Vorfalls bekannte Victoria sich schuldig und wurde wegen versuchten Totschlags zu neun Jahren Haft verurteilt.

Hollywood-Klatschdetail am Rande: die Tatwaffe, eine Walther PPK, hatte Roman Polanski im August 1969 Victoria aus Sorge um deren persönliche Sicherheit zugesteckt. Denn Victoria und Polanskis Ehefrau Sharon Tate waren gut befreundet, bevor diese von den bekloppten Manson-Hippes umgebracht worden war. Das war auch der Zeitpunkt, als Victoria den AMX zum ersten Mal umlackieren ließ, um nicht eine rosa Zielscheibe durch L.A. zu steuern.

Während Victoria ihre Zeit in Haft absaß, wartete der ramponierte AMC in Marks Garage auf seine Wiederbelebung, welcher derweil alle Hebel in Bewegung setzte um die nötigen Teile für die Restaurierung aufzutreiben. Zu keinem Zeitpunkt bestand ein Zweifel daran, dass Mark den AMX in seine originale Form mit der Lackierung in „Playmate Pink“ zurückversetzen würde. Die Restaurierung begann 2012 und Mark wurde nicht nur bei seiner Suche nach neuwertigen Originalersatzteilen, sondern auch bei den Arbeiten, von Mitgliedern der südkalifornischen AMC Community unterstützt. Das kleine Team, das von Allen Tyler geleitet wurde, bestand aus John und Shelly Siciliano, John Caley, Randy Kirby, Dale Crum, Richard White und Mike Haley.

AMX
Mark (links) bekam reichlich Unterstützung von anderen AMC Fans, allen voran Allen, der sich ums Blech kümmerte und das Projekt vorantrieb.

Kurz nach dem Kauf lud Mark eine handvoll von AMC-Liebhabern ein, sich den Wagen anzusehen. „Nachdem einer meiner Freunde den Wagen ausführlich betrachtet hatte, sagte er, dass die Restaurierung wohl bis zu 25.000 Dollar kosten könnte.“, erinnert sich Mark, „Wenn er damit bloß Recht behalten hätte!“ Zum Gelingen des Projekts trugen Marks gute Freunde Allen und John entscheidend bei: „Noch am selben Tag an dem wir den Wagen nach Abschluss der Karosseriearbeiten aus dem Drehgestell herausgenommen haben, ging Allen gleich ans Werk den Motor einzubauen. Letztenendes kamen wir sogar noch dazu das Getriebe wieder zu montieren, bevor wir Feierabend machten.“

In den folgenden 30 Monaten kümmerte sich das kleine Team mit viel Hingabe darum alle Einzelheiten des Coupes wieder in Bestzustand zu bringen, was kein leichtes Unterfangen war. Denn das Auto hatte in vier Jahrzehnten als Daily Driver in L.A. an allen vier Ecken Treffer kassiert und auch etwas Rost angesetzt. Originale Blechersatzteile waren nirgendwo aufzutreiben. Also musste Tyler die ursprüngliche Karosseriesubstanz wieder herrichten, was ihm so gut gelang, dass sich die jetzigen Spaltmaße nicht vor denen eines neuen Mercedes verstecken müssen.

AMC Playmate des Jahres
Auch der Innenraum wurde vollständig in den Auslieferungszustand zurückversetzt, alleine die Teilesuche dauerte rund zwei Jahre.

Schon 1983 hatte Victoria eine deutliche Vorstellung von der Zukunft ihres Wagens, die sie seinerzeit in der Juliausgabe des „Classic Sixties Car Magazine“ äußerte: „Irgendwann wird mein kleiner AMX seine schwarze Maske ablegen und zum originalen Pink zurückkehren.“ Dieser Moment war mit dem Abschluss der Restaurierung im Dezember 2015 gekommen: Der autoverrückte Showmaster Jay Leno lud Mark damals ein, ihn mit dem Playmate AMX für einen Auftritt in seiner Garagenshow zu besuchen. Mehr als eine Dreiviertelmillion Zuschauer haben die Folge bis heute bereits gesehen, ein perfektes Comeback in Pink!

Nachwort:

Als wenn diese Geschichte noch nicht verrückt genug gewesen wäre, hat das Leben seitdem ein weiteres Kapitel hinzugefügt: nachdem Victoria 2018 aus dem Gefängnis entlassen worden war, nahm Mark Kontakt zu ihr auf. Seitdem sind die beiden gute Freunde geworden und Victoria fand ihren Weg zurück in die gehobene Gesellschaft. Inzwischen sind die beiden regelmäßig zusammen bei Classic-Car-Veranstaltungen an der Westküste unterwegs. Bei der San Marino Motor Classic Show 2021 etwa staunten die Punktrichter nicht schlecht, dass die Erstbesitzerin die zudem auch noch das Playmate des Jahres 1968 war ihnen alle Fragen zum Auto beantwortete, während sie den AMC AMX im Rahmen des Show & Shine Contests unter die Lupe nahmen!

Text & Fotos: Richard Truesdell
Übersetzung & Redaktion: Frank Mundus

1968er Motor AMC AMX
Ein Blick in den Motorraum macht auf Anhieb klar wieviel Mühe Mark und seine Mitstreiter aus der kalifornischen AMC-Szene in die Restaurierung gesteckt haben.

1968er AMC AMX

Motor: OHV -V8, 290 ci, 4.749 ccm, 225 PS bei 4.700 U/min, 407 Nm bei 3.200 U/min,Bohrung x Hub in mm: 95,3 x 83,3, Verdichtung 10:1, Vierfachvergaser
Kraftübertragung: Borg Warner Dreigang-Automatikgetriebe, Hinterradantrieb, Achsübersetzung: 3,54.1
Vorderachse: Einzelradaufhängung, Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer
Hinterachse: Starrachse, Blattfedern, Teleskopstoßdämpfer, Drehmomentanbstützungen
Bremsen: Trommelbremsen rundum, Bremskraftverstärker
Räder: 14″-Stahlsporträder „Magnum 500“
Reifen: Goodyear „Polyglas“ Redline in E70-14 (entspricht circa 205/70 R14)

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