Fahrbericht: 2021er Mustang Mach1

2021er Mustang Mach 1

Supersonic Pony

Mustang Mach 1
1.200 Euro kostet die Sonderfarbe „Twister Orange “ extra, dafür ist der Mach 1 in diesem Ton nicht zu übersehen. Der Diffusor ist ein wirksames Element der Mach-1-Aerodynamik und trägt zusammen mit dem verkleideten Unterboden zur Steigerung des Anpressdrucks bei.

Jetzt in Europa erhältlich: 2021er Mustang Mach1 – wir waren mit dem Kult-Sondermodell unterwegs!

Abgesehen von den Shelby-Modellen ist der Mach1 das beliebteste Sondermodell in der langen Reihe von Pony Car Spezialeditionen, die vom „BOSS“ bis zum „Twister Special“ reicht. Erstmalig zum Modelljahr 1969 angeboten, hat der Mach 1 längst Kultstatus erreicht. Im letzten Jahr reaktivierte Ford den Namen für den US-Markt und bietet ab sofort das limitierte Sondermodell auch in Europa an. Wir haben eine ausgedehnte Proberunde mit dem neuen Ford Mustang Mach1 durch das Bergische Land gedreht und verraten Euch, ob der Neue seinem großen Namen gerecht wird.

Ob es am rasanten Namen lag, der die Schallmauer in gedankliche Reichweite rückte, oder doch an der gelungenen Kombination aus attraktiver Ausstattung, coolem Dekor und starken Motoren? Jedenfalls eroberte der Mach 1 im Modelljahr 1969 auf Anhieb den zweiten Platz in der Mustang-Produktions-Statisik, direkt hinter dem Standard-Hardtop-Coupe. Und bis heute „zieht“ der Name, nicht nur unter Mustang-Kennern, denn der Mach1 ist auch weiten Teilen der „generellen Öffentlichkeit“ bis heute ein Begriff.

Viele Zutaten des Ur-Mach-1-Rezepts finden sich in der 2021er Auflage wieder, so etwa die mattschwarzen Streifen über den Schwellern, die mit reflektierenden Zierlinien versehen sind und die entsprechend gestaltete Fläche auf der Motorhaube, welche mit angedeuteten Scoops ausgerüstet ist. Auf die beim 1969er Mach1 optionalen Haubensplinte müssen die Kunden mit Rücksicht auf den Fußgängerschutz heute allerdings verzichten. Unter der Haube steckt beim neuen Modell zwar „nur“ ein 302-ci-V8, während damals ein 351-ci-Triebwerk zur Grundausstattung des Mach 1 gehörte. Dafür liefert der moderne „Coyote“-V8 mit seinen 460 PS mehr Power als die Ford-Werksangabe seinerzeit dem stärksten Cobra-Jet zugestand.

2021er Mustang Mach 1
An die Radkappen im 5-Speichen-Look des 1970er Mach 1 erinnert das Styling der Räder, nur das es sich hier um echte „Mag´Wheels“ mit 19 Zoll Durchmesser handelt.

Aber nicht nur das Leistunsgvermögen beeindruckt, tatsächlich kann man wohl sagen, dass Ford es in puncto Sportlichkeit noch nie so ernst gemeint hat mit dem Mach 1: das beginnt bei einer optimierten Aerodynamik die durch Frontsplitter, verkleidetem Unterboden und Diffusor für 22 Prozent mehr Abtrieb gegenüber dem Mustang GT sorgt und setzt sich beim Fahrwerk sowie der Kühlung fort. So wurden für den Mach 1 die Federraten angehoben und größere Stabis montiert, ebenso wie es beim Sportfahrwerk des Ur-Mach 1 der Fall war. Anstelle von herkömmlichen Sport-Dämpfern, wie damals, wurde beim 2021er Modell die Kalibrierung der MagneRide-Stoßdämpfer angepasst.

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Zudem schärfte Ford das Handling nach, indem man Fahrwerkskomponenten vom Shelby GT 350 und GT 500 übernahm. Motor, Getriebe und Hinterachse erhielten jeweils eine eigene Ölkühlung. Das Differential bekam eine mechanische Sperre, anstatt den Drehzahlausgleich rein über einen Bremseingriff zu regeln.

Der Mustang Mach 1 ist purer Fahrspaß

2021er Mustang Mach 1
Dank einer vom Shelby GT350 übernommenen Drosselklappe mit größerem Durchmesser stieg die Leistung gegenüber dem GT um 10 PS auf 460 Pferdestärken. Ebenfalls dem Shelby GT350 entlehnt wurde das „Open Air“-Intake, das nicht zuletzt der Klangentfaltung zugute kommt.

Derart ausgestattet, ist der Mustang Mach 1 bestens für Rundstreckeneinsätze gerüstet und verspricht auch jede Menge Spaß auf den kurvigen Landstraßen des bergischen Landes. Wir sind also gespannt, als wir auf den Sportsitzen des Mach 1 Platz nehmen. Graue Ziernähte setzen zusätzliche Akzente im Mustang-Innenraum und eine Plakette am Armaturenbrett weist auf die Produktionsnummer des Sondermodells hin. Ansonsten präsentiert sich der das Interieur wie man es vom Mustang kennt und schätzt.

Durch Antippen des metallischen Tasters an der Mittelkonsole wird gestartet, der 5-Liter-V8 fällt in einen grummelnden Leerlauf, ohne durch allzu lautes Brüllen unangenehm aufzufallen. Im Fahrmodus „Normal“, der beim Start vorgewählt ist, bleiben die Klappen der Abgasanlage geschlossen und der Mach 1 übt sich in akustischer Zurückhaltung. Ein kräftiger aber milder Sound der auch einem (Hot-Rod-) Lincoln nicht schlecht stehen würde, dringt aus den polierten Endrohren. Passend dazu das Fahrwerk: Im Normalmodus ist das MagneRide komfortabel abgestimmt ohne weich zu sein. Hier ist den Ford-Ingenieuren eine gute Balance gelungen, denn manch anderes elektronisch härteverstellbare Fahrwerk funktioniert erst wenn der kernigste Rennstreckenmodus ausgewählt ist, ohne dem Fahrer das Gefühl zu geben in den Kurven „herumzuschlackern“.

In den Settings „Sport+“ und „Rennstrecke“ legt die Dämpfungsrate jeweils noch einmal deutlich zu, ím Rennstreckenmodus liegt der Mustang Mach 1 wie das vielzitierte Brett auf der Straße und rollt entsprechend knackig ab. Das macht einen Heidenspaß, für den Straßenbetrieb sollte man es aber doch  bei der Stufe „Sport+“ belassen, die im Gegensatz zum Rennstreckenprogramm das Sicherheitsnetz der elektronischen Stabilitätskontrolle in Bereitschaft hält.

Ebenso wie Fahrwerk und Klappensteuerung der Abgasanlage befolgen auch das optionale 10-Gang-Automatikgetriebe und die Motorsteuerung das Diktat des Sport+-Modus: Der Klang des Five-Oh wird jetzt deutlich voller und die Motor-Getriebe-Kombination verschiebt das genutzte Drehzahlband merklich nach oben, je nach Gaspedalstellung variiert die Kraftentfaltung zwischen „bissig“ und „explosiv“. Jetzt machen sich auch die Unterschiede zwischen dem Coyote-V8 einerseits sowie Hemi und LT1 andererseits deutlich: das DOHC Ford Triebwerk erreicht seine Spitzenleistung erst bei 7.250 U/min, während diese beim Camaro SS bei glatten 6.000 Touren anliegt und ein Chally R/T Scat Pack bei 6.100 Umdrehungen pro Minute das PS-Maximum erreicht. Mit steigender Drehzahl ändert sich auch der akustische Charakter vom typisch großvolumigen (relativ gesehen, liebe Big Block Fans) V8-Klang, hin zu einem hochgezüchteten Sportmotoren-Sound, der sofort an Renntriebwerke erinnert.

Gefühlt findet die Drehzalorgie im Mach 1 kein Ende, Steigungen werden mit einem Drehmomentvorrat von 529 Nm in Verbindung mit der zackig schaltenden 10-Gang Automatik schlicht weggebügelt. Das Fahrleistungen des Mach 1 sind enorm, die Viertelmeile, oder wie Ford es elegant formuliert, die Beschleunigung 0 – 400 m, schafft die Automatikausführung in 12,6 Sekunden. Beim Bremsen unterstützt das Automatikgetriebe die beherzt zupackende Brembo-Bremsanlage, indem sie mit Zwischengasstößen gezielt herunterschaltet, was von einem freudigen Brabbeln aus den vier Auspuffrohren untermalt wird. Ein Gedicht! Überhaupt scheint das Automatikgetriebe zu ahnen, was der Fahrer als Nächstes vorhat und hält mit hoher Treffsicherheit die richtige Gangstufe bereit. Zu Fuß, sprich mit Kupplung und Schiebegetriebe, kommen nur sehr geübte Fahrer schneller voran.

Das Interieur puntet mit Komfort

2021er Mach 1
Das Display im Cockpit verändert die Anzeige je nach Fahrmodus: statt der klassischen „Rundinstrumente“ wird im Sportmodus ein Drehzahlbalken eingeblendet. Belüftete und beheizte Sportsitze mit silbernen Nähten und einem grauen Streifen bilden die Standardbestuhlung, gegen Aufpreis gibt es Recaros.

Das volle Performancepotential des Mach 1 lässt sich nur auf der Rennstrecke ausloten, aber auch im öffentlichen Straßenverkehr bietet der limitierte Mustang viel Freude und ist ohne Einschränkung alltagstauglich. Um die Mühsahl der Rush Hour so angenehm wie möglich zu gestalten, gibt Ford dem Mach 1 serienmäßig beheizbare und klimatisierbare Sportsitze, ein Navi mit SYNC3-Handyanbindung soweie ein B&O-Soundsystem mit satten 1.000 Watt Leistung und zwölf Lautsprechern mit auf den Weg.

Preislich startet der Mach 1 als 6-Gang-Schalter bei 60.800 Euro, für die Automatikausführung werden 63.800 Euro fällig, damit ist das Sondermodell mehr als 20 Prozent teurer als ein Mustang GT. Dafür bringt der Mustang Mach1 einiges an Serienausstattung mit, die beim GT extra bezahlt werden muss. Weitere technische Leckerbissen wie das Sperrdifferential, die Zusatzkühler und das mit Shelby-Teilen optimierte Fahrwerk gibt es im Standard-Mustang nicht für Geld und gute Worte. Für besonders Performance-orientierte Interessenten stellt das limitierte Sondermodell daher ein interessantes Angebot dar.

Text: Frank Mundus
Fotos: Frank Mundus, Ford (1)

2021er Ford Mustang Mach 1

Federbeinstrebe Mustang
Zur Ausstattung des Mach 1 gehört auch eine Federbeinstrebe, die das präzise Einlenkverhalten unterstützt.

Motor: DOHC-32v-V8, 307 ci, 50.38 ccm, 460 PS bei 7.250 U/min, 529 Nm bei 4.900U/min, Verdichtung 12:1, 87mm Drosselklappe, Niedrigdruck-Zentralrohr –, plus Hochdruck-Direkteinspritzung, Doppelrohr-Auspuffanlage
Kraftübertragung: Zehngang-Automatikgetriebe, Hinterradantrieb, Sperrdiffenzial
Vorderachse: Einzelradaufhängung an McPherson Federbeinen, Schraubenfedern mit erhöhter Federrate, speziell abgestimmte MagneRide-Stoßdämpfer, hohlgeborter 33-mm-Stabilisator, Scheibenbremsen
Hinterachse: Einzelradaufhängung an Mehrlenkerkonstruktion, Schraubenfedern mit erhöhter Federrate, speziell abgestimmte MagneRide-Stoßdämpfer, Luftfahrwerk-Federbeine, massiver 24-mm-Stabilisator, Scheibenbremsen
Räder: Leichtmetallräder in 9,5 x 19″ vorne und 10 x 19″ hinten
Reifen: Michelin „Pilot Sport 4S“ in 255/40 R19 vorn und 275/40R19 hinten
Länge x Breite x Höhe (in mm): 4797x 1916 x 1.382
Leergewicht (in kg): 1.861
Radstand (in mm): 2.720
Tankvolumen (in l): 60
Verbrauch (in l, kombiniert): 11,7 (Werksangabe nach WLTP)
Beschleunigung (0-100 km/h in s): 4,4 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit (in km/h): 250
Testwagenpreis (UVP): 65.000 Euro
Festgestellte Mängel während des Tests: Keine
Importeur bzw. Bezugsquelle:  Ford-Händlernetzwerk, www.ford.de

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