Makelloser Traum-Pickup: 1954er Chevrolet Thriftmaster

1954er Chevrolet Thriftmaster

Advance Design: Der 1954er Chevrolet Thriftmaster von ICON

Aha, ein auf Originalzustand hin restaurierter Pick Up. Langweilig. Einschlafen oder schnell weiterblättern! Von wegen. ICON aus Kalifornien hat diesen 1954er Chevrolet Thriftmaster Pickup überall modifiziert und optimiert. Selbst die Karosserie blieb nicht unangetastet.

1954er Chevrolet Thriftmaster

Von Grund auf

Außen dezent, unterm Blech dafür umso mehr hui – dieses Rezept zeichnet die meisten Produkte von ICON aus, wie beispielsweise den auf Elektroantrieb umgebauten 1949er Mercury in CHROM & FLAMMEN-Ausgabe 02/2019. Nun haben sich die Jungs aus Los Angeles einen desolaten Chevy Truck der Advance Design-Reihe vorgenommen und einen Sleeper vom Feinsten draus gemacht. Erste Übung: Den Pritschenwagen komplett fleddern.

1954er Chevrolet Thriftmaster
ICON hat den Thriftmaster überall modifiziert und optimiert – selbst an der Karosserie.

Statt das Kleid vom Blechschneider flicken zu lassen, griff man gern auf lizensierte Neuteile zurück. Ob das neue Eschenholz-Ladebett mit Edelstahl-Gleitleisten jemals ernsthaft beladen wird? Das Tailgate wurde jedenfalls gecleant, außerdem scheint es auf Wunsch mit ICON-Prägung erhältlich zu sein. In punkto Lackierung bekam Glasurit den Zuschlag, das hier verwandte Hellblau entspricht halbwegs dem einstigen „Windsor Blue“.

Anstelle des ursprünglichen Rahmens setzte das Team auf einen umfangreich verstärkten Customrahmen des renommierten Hause Art Morrison mit Einzelradaufhängung sowie Stabilisator vorn und Längslenkern achtern. Klar, dass anschließend rundum Spiral- statt Blattfedern Einzug hielten. Jenes JRI-Gewindefahrwerk erlaubt, die Bodenfreiheit um satte vier Zoll zu variieren. Eine zeitgemäße Verzögerung ließ sich durch geschlitzte und innenbelüftete Scheibenbremsen – vorn mit Sechs- und hinten mit Vierkolben-Sätteln Marke Brembo– erzielen. Mit den originalen vier Trommeln hätte ein jeder Kunde arg alt ausgesehen.

1954er Chevrolet Thriftmaster
Sieht alt aus, ist aber neu: LED-Rückleuchte im Oldscool-Look. Lieber unauffällig: Das Emblem gibt Auskunft über Aufbauer und Modell.

The six sucks!

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Denn mit dem nun standardmäßig verbauten 5,3-l-V8 geht der Light Truck doch sehr viel besser als dem ab Werk im Vorderwagen versenkten 235-ci-Reihensechser. Nicht genug? Na, dann vielleicht noch den optionalen Magnuson Supercharger nebst Ladeluftkühler dazu geordert! Der erhöht den Output von ohnehin anständigen 315 PS und 454 Nm auf 440 PS und 621 Nm. Das Gemisch stellt eine elektronische Einspritzung her, die sich aus dem 100 Liter fassenden Edelstahltank reichlich bedienen kann.

Die Kraftübertragung obliegt einer Tremec T56 Magnum Sechsgang-Schaltung, alternativ ist eine vierstufige GM Automatik des Typs 4L65E verfügbar. Die 3,89:1 übersetzte 9-Zoll-Hinterachse beherbergt Strange-Steckachsen mit 31er-Keilverzahnung sowie, zwecks besserer Ampelperformance, ein Currie-Sperrdifferential. Wär ja schade, wenn einer der hinteren 295er Nitto „NT555“ genüsslich raucht und der andere derweil in die Röhre guckt. Die Pneus sitzen wie ihre vorderen 285er Pendants übrigens nicht auf Stahlrädern, wie es die Optik suggeriert, sondern auf CNC-gefrästen 18-Zoll-Alus von Circular Racing in Wagenfarbe.

Innen nicht weniger Aufwand

Eine umfassend gedämmte Kabine mit Bisonleder-Sitzbank samt Mittelarmlehne und ein Edelstahlregal dahinter? Dafür hätte Farmer Fred in den Fifties doch glatt Haus und Hof gegeben – für den Wollteppich des Rolly Royce-Zulieferers Wilton erst recht. Bloß kühlen Kopf bewahren und die Klimaautomatik an! Oder lieber ein Fenster runter? Das geht natürlich elektrisch, die Vintage-Kurbeln sind hierzu hoch- oder niederzudrücken. Den Nerz immer schön nach innen tragen, nicht wahr?

Das ist wohl auch Grund, das Audison Soundsystem unter der mehrfach verstellbaren Bank zu verstecken; das im Handschuhfach versteckte Kenwood Doppel-DIN-Navi-Radio mit Touchscreen und allen Schikanen verweist allein bei geöffnetem Deckel auf die Moderne. Diese wird Generation Smartphone zügig finden: Das Mobilenet 3G WiFi erlaubt innerhalb von 45 Metern Umkreis, bis zu 20 Geräte einzuloggen.

1954er Chevrolet Thriftmaster Interieur
Die Armaturen stammen von Dakota, die Schalter wurden neu gefräst. Klima-Automatik und Kenwood-Radio versteckte ICON gekonnt. Leder-Sitzbank mit Mittelarmlehne, Gurte sowie Wilton-Teppich: Solchen Luxus gab es vor 65 Jahren weder für Geld noch für gute Worte.

Der Mensch im Mittelpunkt

Nachtfahrten werden dank Voll-LED-Beleuchtung mit dem Chevrolet Thriftmaster zum Vergnügen, das Fernlicht wird nach alter Väter Sitte über einen Trittschalter im Fußraum betätigt. Umfassende Information geht von den Dakota-Instrumenten aus, denen einige LED-Warnlampen sekundieren. Den Weg bestimmt der Fahrer über ein auf 16 Zoll Durchmesser reduziertes Vintage-Lenkrad, das eine höhenverstellbare Ididit Lenksäule krönt. Geht der Weg aus, kommt Fahrers Brustkasten die einknickende Lenkstange ebenso zugute wie die neuerdings an Bord befindlichen Dreipunktgurte und das rauchgraue Sicherheitsglas.

Ein Abstecher in die Botanik oder den Vordermann sollte aber allein schon aus finanziellen Gründen besser unterbleiben: Da man bekanntermaßen nicht über Geld redet, stehen die Kosten für den Umbau zwar in den Sternen – gering werden sie ganz gewiss nicht gewesen sein. Besser ist‘s, sich an den zahlreichen technischen und optischen Upgrades zu erfreuen. Denn nach dem ICON-Eingriff macht der Advance Design-Truck seinem Name mehr Ehre als je zuvor.

Chevrolet Thriftmaster
Nix Thriftmaster: Für Vortrieb sorgt fortan ein 5,3-l-V8-Einspritzer mit 315, auf Wunsch sogar 458 PS. Verstärkter Art-Morrison-Rahmen mit Einzelradaufhängung und Gewindefahrwerk vorn statt polternder Blattfedern und vorderer Starrachse.

Text: Arild Eichbaum
Bilder: ICON

1954er Chevrolet Thriftmaster

Motor: Chevrolet OHV-V8 (LC9); 327 ci, 5.358 cm³; 315 PS bei 5.400 U/min; 454 Nm bei 4.000 U/min oeder 440 PS bei 5.500 U/min und 621 Nm bei 4.500 U/min mit Magnuson Supercharger und Ladeluftkühlung; Verdichtung 9,5:1; Bohrung x Hub in mm: 96 x 91,5; Alu-Köpfe; Komposit-Ansaugbrücke; Sequentielle Benzineinspritzung;; 3-Zoll-Doppelrohrauspuff
Kraftübertragung: Sechsgang-Schaltgetriebe Tremec „T56 Magnum“, alternativ GM Vierstufen-Automatik „4L65E“; Hinterradantrieb; 9″-Currie Sperrdifferential; Achsübersetzung 3,89:1
Vorderachse: Einzelradaufhängung an doppelten Dreieckslenkern, sowie Stabilisator; JRI-Gewindefahrwerk; knickbare Lenksäule
Hinterachse: Starrachse an Längslenkern; JRI-Gewindefahrwerk;
Bremsen: geschlitzte und innenbelüftete Scheibenbremsen mit Brembo Sechskolben-Sätteln vorn / geschlitzte und innenbelüftete Scheibenbremsen mit Brembo Vierkolben-Sätteln hinten
Räder: 18-Zoll-Aluräder von Circle Racing in Wagenfarbe mit Dogdish-Radkappe
Reifen: Nitto NT555 in 285/40 ZR18 vorn und 295/45 ZR18 hinten
Karosserie: Glasurit-Lackierung; Esche-Ladebett mit Edelstahl-Gleitleisten; LED-Beleuchtung; verstärkter Art Morrison-Rahmen; 100-l-Edelstahltank; rauchgraues Sicherheitsglas
Innenraum: mehrfach verstellbare Sitzbank von Glide Engineering mit Mittelarmlehne; Wilton Wollteppich; Bezüge und Türverkleidungen in Bisonleder; 16-Zoll-Custom-Lenkrad; höhenverstellbare Ididit Lenksäule; Dakota Armaturen; neue gefräste Knöpfe; Fernlicht-Trittschalter; Klimaautomatik; elektrische Fensterheber in den Kurbeln; Mobilenet 3G WiFi
Hifi: Kenwood DNN990HD Doppel-DIN mit Touchscreen für Navigation, CD, AM/FM, Satellitenradio, Bluetooth, Internetzugang; Audison Audiosystem mit Bit One Digital Sound Prozessor; AV Quattro 4-Kanal-Verstärker; AVX 6,5-Zoll-Koaxial-Lautsprecher; AV10 10-Zoll-Subwoofer; Audison Pro Kabel und Verbinder

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