No. 1 – 1967er Mercury Cougar

Mercury Cougar

1967er Mercury Cougar

Fahrgestellnummer 00001: der erste Mercury Cougar der je vom Band lief

Im September 1966 startete mit dem Cougar das Mercury-Gegenstück zum gut zwei Jahre zuvor präsentierten Ford Mustang. Die ersten acht Fahrzeuge der Serienfertigung waren für die Vorstellung in der Presse reserviert. Der allererste Cougar ist bis heute erhalten und wurde von einem Sammler mit hohem Aufwand in den Originalzustand zurückversetzt. Unser Mitarbeiter Richard Truesdell stellt das ehemalige Pressefahrzeug erneut im Detail vor.

Mercury Cougar
Ursprünglich sollte der Cougar ein Logo ohne Schriftzug tragen, wogegen Jaguar klagte. An Cougar No. 1 ist das originale Design erhalten.

Dass Mercury seine eigene Version des Mustang bekommen würde, war seit dem Sommer 1964 beschlossene Sache, weshalb die Präsentation des Cougar niemanden überraschte. Für Erstaunen sorgte hingegen wie deutlich sich der Cougar vom Mustang unterschied. Denn wenn man sich den 1966er Mercury Comet und den beinahe identischen Ford Fairlane ansieht, dann war eigentlich nicht mit viel mehr als einem Mustang, der durch einen schicken Grill und einige Extra-Zierteile aufgehübscht wurde, zu rechnen gewesen. Tatsächlich hatte der Cougar äußerlich aber nur die Frontscheibe mit dem Mustang gemeinsam. Sogar der Radstand des Mercury war länger, mit 111 Zoll lag er fast exakt zwischen Mustang und Thunderbird. Der zusätzliche Platz kam fast ausschließlich dem hinteren Fußraum zugute.

Die Entwicklung des Cougar kostete rund 40 Millionen Dollar, ungefähr die gleiche Summe gab Ford allein für die Herstellung der Werkzeuge für den Mustang in Coupe-, Cabrio- und Fastback-Variante aus. Im Gegensatz dazu war der Cougar zunächst nur als Coupe erhältlich, was nur teilweise damit zu tun hatte, dass man eine Investition von weiteren 8 Millionen Dollar für eine Cabrio-Version zunächst vermeiden wollte. Der General Marketing Manager der Lincoln-Mercury Division Frank Zimmermann Jr. erklärte seinerzeit: „Handfeste Qualität lässt sich nur erreichen, wenn man sich auf eine Karosserieform konzentriert.“ Erst zum Modelljahr 1969 legte man schließlich doch ein Cougar Cabrio nach.

Trotz ähnlicher Proportionen mit langer Motorhaube und kurzem Kofferraumdeckel sollte der Cougar keine bloße Mustang-Kopie sein, sondern seine eigene Nische als Personal Luxury Car mit europäischem Flair etablieren. 16 verschiedene Emaille-Lacke, die mit einem schwarzen oder elfenbeinfarbenen Vinyldach kombiniert werden konnten, sowie eine armlange Liste von Optionen machten es möglich den Cougar nach dem persönlichen Geschmack maßzuschneidern.

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Der luxuriöse Anspruch wurde unter anderem durch die verdeckten Scheinwerfer unterstrichen, die sich hinter einem verchromten „Wasserfall-Gril“ verbergen. Am Heck wird das Design durch breite Rückleuchten, die mit Chromrippen versehen sind, wieder aufgenommen. Wie der damalige Ford-Thunderbird ist auch der Cougar mit nacheinander von innen nach außen aufleuchtenden Fahrtrichtungsanzeigern in der Schlussleuchten ausgestattet, was dem Mercury Coupe ebenfalls einen noblen Touch verleiht.

Mercury Cougar Motor
Zur Serienausstattung des Cougar gehörte ein V8-Motor unter der Haube von Cogar One findet sich das 390-ci-Top-Triebwerk mit 320 PS.

Unter der Außenhülle sind sich Mustang und Cougar dagegen sehr ähnlich, bis auf einige nennenswerte Ausnahmen: während im Pony Car ein Sechszylinder die Basismotorsierung bildete, wurde der Berglöwe stets mit einem V8-Motor geliefert. Weiterhin sorgen um sechs Zoll längere und in Gummiblöcken gelagerte Blattfedern für ein sanfteres Federungsverhalten. Zusammen mit einer neuartigen Vorderachsaufhängung, die in diesem Jahr auch im Mustang erstmalig verwendet wurde und ein weniger harsches Ansprechverhalten bei Fahrbahnunebenheiten versprach,bietet der Cougar so eine Fahrwerksabstimmung die Mercury „Luxury Sportscar Ride and Feel“ nannte.

Neben dem 200 PS starken Basis-Triebwerk mit 289 ci bot Mercury eine 225-PS-Variante des Smallblock-Triebwerks mit Vierfachvergaser an. Als Topmotorisierung konnte auch ein Ford FE Big Block mit 390 ci für den Cougar geordert werden, der satte 320 PS und mächtige 579 Nm auf die Kurbelwelle schickte. Während die Smallblock-Ausführungen standardmäßig mit einem Dreigang-Schaltgetriebe geliefert wurden, gab es den Big Block nur mit Viergang-Schaltgetriebe oder einem Dreigang-Automatikgetriebe mit SelectShift-Funktion. Diese erlaubt es die Gänge Eins und Zwei bis zum manuellen Hochschalten auszudrehen.

Cougar
Instrumententräger und Mittelkonsole lassen die Verwandtschaft zum Mustang erahnen während das Lenkrad auf T-Bird-Optik getrimmt wurde. Die abgerundeten Verkleidungen neben der Rückbank erinnern stark an die Fondgestaltung des Personal-Luxury-Primus Ford Thunderbird.

Der Cougar war als Zwischenschritt zwischen Thunderbird und Mustang gedacht, was sich besonders im Innenraum zeigt. Die Ähnlichkeiten beginnen beim Sportlenkrad dessen drei Streben ähnlich gestaltet sind wie beim Volant des T-Bird. Auch der geteilte Lenkradkranz, dessen Vorderseite in Holzoptik gehalten ist, wurde vom Personal-Luxury-Primus abgeschaut. Ebenso vom Thunderbird bereits bekannt war das (auch beim Mustang) optionale „Tilt-away-Stering-Wheel“, das sich in neun verschiedenen Putzpositionen verriegeln lässt und beim Öffnen der Tür zur Seite klappe, um den Einstieg zu erleichtern. Und nicht zuletzt erinnert auch die Rücksitzbank mit ihren abgerundeten seitlichen Verkleidungen an den Donnervogel.

Um die luxuriöse Auslegung des Cougar zu unterstreichen packte Mercury über 120 Pfund Dämmmaterial in die Karosserie, was für eine besonders gute Schallisolierung sorgt. Das in 13 verschiedenen Farben erhältliche Vinyl-Interieur hinterlässt einen hochwertigen Eindruck und dank des längeren Radstandes bietet der Cougar auch vier Erwachsenen genügend Platz. Entschied sich der Kunde für die optionale Mittelkonsole, so ist die Ähnlichkeit zum Thunderbird noch deutlich.

Letztlich liegt es Auge des Betrachters, aber vor die Wahl gestellt, spricht vieles für den Mercury: auch mit Vollausstattung wird ein Mustang nicht zum Cougar und der Thunderbird kann in Sachen Sportlichkeit und Agilität nicht mit dem Cougar mithalten!

Text: Richard Trusedell/Frank Mundus
Fotos: Richard Truesdell

Die Geschichte von Cougar No. 1

Erstes Auto, das vom Band lief. Mercury Cougar.
Die ersten acht Serien-Cougars wurden von Hand veredelt, etwa indem man die Karosserienähte im Bereich der Türöffnungen glättete.

Die ersten acht Cougars aus der Serienproduktion wurden als Show Cars montiert. Von Hand erhielten sie ein Finish, das in seiner Perfektion alle folgenden Cougars deutlich übertraf. So wurden die Karosserienähte in den Tür- und Kofferraumöffnungen verzinnt und die Lackierung wies weder „Orangenhaut“ noch sonstige Makel auf. So sorgfältig wurde wohl nie wieder ein Cougar im Werk zusammengebaut.

Durch einen unglaublichen Zufall war Jim Pinkerton im Herbst 1995 in Moncton in der kanadischen Provinz New Brunswick zu Besuch, als er davon hörte, dass der erste Serien-Cougar noch existiert. Und nicht nur das: zufällig befand sich das Coupe nur einen Katzensprung entfernt im selben Ort. Nach einer kurzen Besichtigung kaufte Marc Ogren, der ebenso wie Jim Mitglied des „Cascade Cougar Club“ ist, den Mercury. Nachdem er gründlich darüber nachgedacht hatte, welche Maßnahmen genau nötig waren, um den Wagen zu restaurieren, wurde ihm klar, dass Jim und Elaine Pinkerton genau die richtigen Leute waren um Cougar No. 1 seinen alten Glanz zurückzugeben. Jim, der bei Shows des Cascade Cougar Club als Chef-Preisrichter tätig ist, kaufte schließlich gemeinsam mit seiner Frau Elaine den für die Markenhistorie bedeutsamen Mercury von seinem Clubkollegen.

In nur 17 Monaten restaurierte der Cougar-Experte und Inhaber der Firma „Cascade Classics“ John Benoit den Wagen komplett. Dabei kamen, wo immer es möglich war, New Old Stock Parts, also ungebrauchte Original-Ersatzteile zum Einsatz. In manchen Fällen mussten auch Teile angefertigt werden, denn diese frühen Sereinmodelle unterscheiden sich in manchen Details von späteren Cougars.

Cougar 1 ist mit einer langen Liste von Optionen ausgestattet: so verfügt das Coupe über die komplette GT Performance Option Group inklusive des „Marauder“ 390-ci-Motors, obwohl zum damaligen Zeitpunkt der Umfang der GT-Option noch gar nicht endgültig festgelegt war. Zu den weiteren Extras zählen das Merc-O-Matic-Getriebe, Tilt-away-Lenkrad, Tempomat, Mittelkonsole, Styled Steel Wheels und ein AM/FM-Radio.

Einige Kleinigkeiten sind in der gezeigten Form nur am Cougar No.1 zu finden, wie etwa die Logos an der Scheinwerferblende und dem Deckel des Kofferraumschlosses. Jaguar hatte Ford seinerzeit wegen des Emblems mit der laufenden Raubkatze verklagt, woraufhin Ford sich im Rahmen eines Vergleichs dazu verpflichtete das Wort „Cougar“ unter dem Katzenlogo zu platzieren. Am Kofferraumschloss findet sich heute das letzte verbleibende Originalexemplar des Logos ohne Schriftzug, das vordere Badge musste reproduziert werden.

1967er Mercury Cougar

Motor: Ford „FE Series“ OHV-V8, 390 ci, 6.391 ccm, 320 PS bei 4.800 U/min, 579 NM bei 3.200 U/min, Bohrung x Hub in mm: 102,9 x 96, Verdichtung: 10,5:1 Vierfachvergaser
Kraftübertragung: Merc-O-Matic Dreigang-Automatikgetriebe mit SelectShift, Hinterradantrieb, Ford 9″-Differential, Achsübersetzung 3,00:1
Vorderachse: Einzelradaufhängung an Querlenker und gummigelagerter Zugstrebe unten, Querlenker oben, Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer, Querstabilisator, Servolenkung
Hinterachse: Starrachse an Blattfedern, Teleskopstoßdämpfer
Bremsen: Scheibenbremsen vorn / Trommelbremsen hinten
Räder: Styled Steel Wheels in 5,5 x 14″
Reifen: Radialreifen Firestone „Sup-R-Sports Wide Oval“ mit Weißwandstreifen in F70-14

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