Rückblick: 50 Jahre Demon

Dodge Demon

A special Anniversary: 50 Jahre Dodge Demon

2018 stellte Dodge den Demon als High-Performance-Modell auf Basis des Challengers vor. Den Namen Demon entlieh sich die amerikanische Automarke von einem kompakten Modell aus den Siebziger Jahren. CHROM & FLAMMEN blickt zurück auf die besondere Geschichte eines Modellnamens.

Interior des Doge Demon mit spartaner Ausstattung.
Der Demon kam als Low Budget Muscle Car mit spartaner Ausstattung, Mittelkonsole und Einzelsitze mit hoher Rückenlehne waren optional.

Der erste Dodge Demon war kurzlebig, aber dennoch ein außergewöhnliches Fahrzeug. Für 1970 bot Dodge den Swinger 340 als Dart-Performer an. Bei der Schwestermarke Plymouth wanderte der gleiche 340-ci-V8 mit Vierfachvergaser in den neuen Duster, einem frischen Kompakten mit Fastback-Karosserie. Dodge übernahm diese für 1971 und taufte sie Demon. Die Dodge-Version unterschied sich vor allem durch ihre vertikal geriffelten Rückleuchten und den Lamellengrill. Im Inneren unterschieden sich die beiden kaum und trugen jeweils ein Cockpit, das dem vom 1967-‘69er Barracuda ähnelte. Mittelkonsole und Sitze mit hoher Rückenlehne waren Optionen. Ebenso ein 6.000 U/min Drehzahlmesser und ein dickes Drei-Speichen-Lenkrad.

Der Demon hatte einen Radstand von nur 108 Zoll, dieser war also drei Zoll kürzer war als bei den anderen Dart-Modellen. Auf den ersten Blick hatte der Demon keine B-Säule, dennoch nannte Dodge dieses Auto Coupe und nicht Hardtop Coupe, weil die hinteren Seitenscheiben nur ausstellbar waren.

Dodge Demon V8-Motor
Der Demon wurde mit dem 340-ci-V8 zur Taschen-Rakete.

Dodge Demon – Namensgebung

Anfangs sollte der Dämon “Beaver” (Biber) genannt werden, doch die Marketingabteilung der Chrysler Corporation erfuhr, dass es sich um einen Slang für ein bestimmtes weibliches (damals noch meist behaartes) Körperteil handelte. Danach wurde der Name in Demon geändert, aber einige religiöse Gruppen hielten den Namen für problematisch. Dies sorgte insbesondere für Aufruhr, als sie den Begriff „Demon-stration“ verwendeten – gerade das Emblem des Demon mit dem lächelnden Teufel und der Heugabel beschwörte die Christen herauf.

Dodge warb mit provokanten Slogans wie „Wir haben den Dämonen kreiert, und ihr müsst nicht eure Seele dafür verkaufen“

Kleinere Modelle mit mittelgroßen Motoren waren eine interessante Untergruppe des Muscle-Car-Marktes. Die Motorräume der Compact Cars konnten selten die Big-Block-Motoren aufnehmen, aber ihre kompakten Karosserien waren leichter und boten in Kombination mit hoch abgestimmten V8-Small Block Motoren ein verlockendes Leistungsgewicht für Performance-Fans mit kleinem Budget. Das beeindruckendste Merkmal des Demon war die Vielfalt der Motoroptionen.

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Der Demon war serienmäßig mit 198-ci-Sechszylinder oder 318-ci-V8 mit Doppel-Vergaser ausgestattet. Der 340 in das neue Fastback eingesetzt, um den Demon 340 zu entwickeln. Mit nur 1.435 kg und ab nur 2.721 US-Dollar war der Demon eine leichte, kostengünstige Leistungsalternative. Der kleine MoPar-Small-Block lieferte 275 PS bei 5.000 U/min. Mit einem Verdichtungsverhältnis von 10,5:1, Doppelrohr-Auspuff und einer heißen Nocke erzielte der 340-ci-V8 bei 3.200 U/min ein gesundes Drehmoment von 460 Nm. Ein vollständig synchronisiertes Dreigang-Schaltgetriebe war Standard; Optional war ein Viergang-Schaltgetriebe oder Dreigang-TorqueFlite-Automatik erhältlich. Käufer konnten aus einer Vielzahl von Achsübersetzungen wählen und ein Sure-Grip-Differential war ebenfalls erhältlich. Die serienmäßige Rallye-Federung umfasste vordere Torsions-Stäbe und hintere Blattfedern, einen hinteren Stabilisator und übergroße Stoßdämpfer. Die Trommelbremsen waren größer als bei anderen Demons, ebenso wie die Goodyear Polyglas GT-Reifen E70x14. Der Dodge Demon 340 mit Dreigang-Schaltgetriebe konnte die Quartermile in 13,98 Sekunden mit 100 mph schaffen, die mit Viergang- oder Automatik lagen in den hohen 14er Zeiten mit rund 95 Meilen pro Stunde.

1972er Dodge Demon
Zum 1972er Modelljahr an gab es ein leichtes Facelifting für den Demon.

Zu den verfügbaren Optionen für den Demon gehörten 14 Farboptionen, davon vier „High Impact-Farben“. Käufer konnten zudem eine schwarze Motorhaube mit doppelter Hutze und einen Heckspoiler bestellen. Der 1971er Dodge Demon wurde als Teil der Dart-Modellpalette vermarktet und verkaufte sich gut. Mit 69.861 Demon (LL29) und 10.098 Demon 340 machte der mit einem Preis von 2.343 bzw. 2.721 US-Dollar erhältliche Kompaktwagen rund 30 Prozent des Umsatzes der Dart-Serie aus.

Auf dem Genfer Autosalon 2007 zeigte der damalige Autokonzern DaimlerChrysler das Dodge Demon Concept.

Dodge bot den Demon leicht modifiziert auch im 1972 Modelljahr an, neben dem 198 ci Sechszylinder und 318 ci V8 gab es auch den Demon 340 mit dem 340 ci V8. Die Kompression fiel jedoch aufgrund neuer Vorschriften zu Benzinverbräuchen auf 8,5:1, und der neue Carter Thermo-Quad kam zum Einsatz. Die Verkäufe sanken auf 39.880 bzw. 8.700 Exemplare. Für 1973 exorzierte Dodge die Demon-Bezeichnung und verwendete „Dart Sport“ , bis das Modell nach 1976 auslief.

Im Jahre 2007 zeigte der damalige Autokonzern DaimlerChrysler auf dem Genfer Autosalon mit dem Dodge Demon ein Konzept, das als günstigerer Sportwagen von Dodge unter die Viper passen sollte (siehe CHROM & FLAMMEN 05/2007). Der Roadster kam mit rund 170 PS starken 2,4-Liter-Motor und sollte mit Modellen wie dem Pontiac Solstice und Mazda MX5/Miata konkurrieren. Überraschenderweise kommunizierte man nicht, dass der Demon auf dem Mercedes-Benz SLK basierte – oder war der Radstand von 2.430 mm Zufall?

2018er Dodge SRT
2018 brachte Dodge bzw. SRT den Dodge Challenger Demon mit 852 PS und 1.044 Nm.

Optisch fielen die klassischen Roadster-Tugenden – kurze Überhänge, eine endlos lang wirkende Motorhaube und ausgestellte Radkästen auf. Dreieckige Scheinwerfer verliehen dem „Dämon“ die nötige Portion Aggressivität an der Front mit dem markentypischen Fadenkreuzgrill. Im aufgeräumten Innenraum des Demon fanden sich Stilelemente aus den 1960er-Jahren wieder.

Der Demon wäre – im Gegensatz zur Viper – ein Traum gewesen, den sich viele hätten erfüllen können, aber der DaimlerChrysler-Konzern hat für den Serienbau des Zweisitzers kein grünes Licht gegeben.

6,2-Liter-Hemi V8
Der 6,2-Liter-Hemi V8 war an eine Acht-Stufen-Automatik gekoppelt und dank der speziellen 315/40er Dragster-Hinterreifen war der Demon Challenger das erste Serienauto, das beim Start die Räder anhob.

Auf der New Yorker Auto Show 2018 zeigte die Fiat Chrysler Automobiles (FCA) Marke Dodge bzw. SRT einen neuen Demon (siehe CHROM & FLAMMEN 06/2017)! Dabei handelte es sich um einen Super-Challenger, der sogar den zwei Jahre zuvor präsentierten Challenger Hellcat im Regen stehen ließ. Der Dodge Challenger Demon hat nichts mit dem Demon aus den 1970er Jahren gemein, aber die 852 PS, 1.044 Nm und der Sprint von 2,3 Sekunden auf 100 km/h ließen auch die hartgesottensten Fans den Namen verschmerzen. Dodge hat den 6,2-Liter-Hemi V8 kräftig überarbeitet, Kolben, Pleuel und Ventile sowie ein größerer Kompressor sogen für das Plus an Leistung – bei 100 Oktan Kraftstoff! Bei Normal Bleifrei gab es aber immerhin noch 819 PS und 972 Nm. Der Demon wurde mit verschiedenen Zündschlüsseln, die verschiedene hohe Leistungstufen freigeben ausgeliefert. Die Kraftübertragung übernahm eine Acht-Stufen-Automatik und 315/40er Spezial-Dragster-Hinterreifen, die sich auf 18 Zoll-Felgen unter den verbreiterten Radläufen drehten. Die Viertelmeile gab Dodge mit 9,65 s bei 225 km/h an. Der Demon war aber nicht nur durch die Mehr-Leistung so schnell, auch durch den Verzicht auf viele Komfortfeatures. Rund 90 kg leichter war der Demon gegenüber einen normalem Challenger – u.a. fehlten der Beifahrersitz, die Rücksitze und viel Dämmmaterial. Der Challenger Demon schaffte es sogar in das Guinness-Weltrekord Buch – er war das erste Serienauto, das beim Start die Räder anhob. Das auf 3.300 Exemplare limitierte Modell wurde ausschließlich im 2018er Modelljahr und an Nordamerikaner verkauft – für sage und schreibe 84.995 Dollar – einen weiteren Demon soll es laut FCA Marketing nicht geben.

Text: Thomas Frankenstein
Fotos: FCA, Mecum, Archiv

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